Mitzieher für mehr Action

Ich hatte gerade mein neues lichtstarkes 50-150 mm Objektiv mit durchgehender Blende von f2.8 erhalten und fünf Minuten von mir zu Hause fand ein Classic Car Treffen statt. Ich wusste von vergangenen Treffen, dass hier unter anderem in rennähnlichem Betrieb gefahren wurde. Es geht zwar um nichts ausser dem Präsentieren der Fahrzeuge, aber Action war garantiert, weil am Limit und auch mal darüber gefahren wurde. Also ein klarer Fall: Knipsen, was das Zeug hält.

Zu Hause war ich dann doch eher enttäuscht. Dass der Benzingeruch und die dröhnenden Motoren auf den Fotos nicht rüberkommen, war mir klar. Aber geärgert habe ich mich, dass auf den meisten Fotos auch nichts von der Geschwindigkeit zu sehen ist. Wie auch, mag man sich da fragen: Eine Foto ist schliesslich eine Momentaufnahme, kein Video. Aber weit gefehlt, auch auf einem Foto, also auf einem Standbild, kann die Action und die Geschwindigkeit sehr wohl vermittelt werden. Man muss nur wissen, wie. Und vor allem sollte man beim Fotografieren dran denken.

Das offene Geheimnis nennt sich Mitzieher. Da arbeitet man mit einer Verschlusszeit, die den Moment bei Bewegungen nicht einfriert und somit sogenannte Bewegungsunschärfe entstehen lässt. Nun hat man bei solchen Aufnahmen die Wahl: Bleibt der Hintergrund scharf und das Auto ist wie ein verschmiertes Objekt sichtbar, oder eben umgekehrt: Auto scharf, Hintergrund „verschmiert“. Beides geht natürlich, aber wenn man primär das Fahrzeug zeigen möchte, sollte dieses auch scharf sein und der Hintergrund in Bewegungsunschärfe verschwinden.

Renault AlpineZur Veranschaulichung habe ich hier das gleiche Fahrzeug an der fast gleichen Stelle zweimal fotografiert. Auf beiden Bildern ist der Renault Alpine ungefähr gleich schnell unterwegs, trotzdem ist das Bild hier links eher langweilig und hätte genau so gut im Stillstand aufgenommen werden können, während das andere weiter unten rechts eindeutig zeigt: Da ist Tempo drin.

Während ich beim „langweiligen“ Bild, bei dem alles scharf ist, eine Verschlusszeit von 1/800 sek gewählt habe, kommt beim Action-Bild eine Verschlusszeit von lediglich 1/100 sek zum Einsatz. Das ist eigentlich zu schnell für ein Fahrzeug, das mit gegen 80 km/h an einem vorbei donnert. Aber ich habe durch den Sucher geschaut, mit der Kamera das Auto verfolgt, abgedrückt und währenddessen die Kamera weiter mit dem Fahrzeug mitgezogen. Von da auch der Begriff „Mitzieher“, man zieht die Kamera in der Bewegung mit. Weil das Auto dabei immer an gleicher Position im Sucher ist, die Umgebung aber natürlich nicht, entsteht dieser Effekt: Der Hintergrund ist verschwommen, das Fahrzeug scharf.

Renault AlpineDas braucht einiges an Übung, die ersten Versuche sind in der Regel für die Tonne. Und es ist auch ganz normal, dass von zehn Bildern nur zwei, drei wirklich gelingen. In Zeiten der Digitalfotografie ist das ja bekanntlich nicht weiter schlimm, gelöscht ist schnell. Du solltest bei solchen Bildern nach Möglichkeit darauf achten, dass der Abstand zum Motiv ungefähr gleichbleibend ist, sonst verschiebt sich der Fokus, was störend sein kann. Gut üben kannst du Mitzieher an Events, bei denen die Fahrzeuge immer wieder an dir vorbei fahren. Oder auf Zuschauerterrassen von Flughäfen, wo die Flugzeuge auf der Startpiste vorbei rauschen und an Autobahnen.

Weil ich diese Mitzieher selber schon lange am Üben bin und noch lange üben werde, habe ich auf Flickr mal ein entsprechendes Album erstellt, wo du dir ein paar weitere Beispiele anschauen kannst. Einige sind ganz ok, andere eher… naja. 🙂

Hast du das mal selber ausprobiert? Schreib‘ mir in den Kommentaren und setz doch einen Link zu deinen Fotos.

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