Meine Fehler: Hintergrund nicht beachtet

Ich vertrete die Meinung, dass Fehler etwas Gutes sind, so lange man aus ihnen lernt und sie möglichst nur einmal macht. Beim Fotografieren ist es aber zumindest bei mir leider so, dass ich den gleichen Fehler mehrmals mache, aber das ist ein anderes Thema.

Am meisten lerne ich, wenn ich selber drauf komme, was ich bei einem Bild falsch gemacht habe. Am zweitmeisten passiert das, indem ich bei anderen lese, warum ein Bild gut wirkt und ein anderes nicht.

Weil vielleicht andere auch davon profitieren können, wenn ich meine eigenen Fehler zu analysieren versuche, habe ich beschlossen, diese lose Serie „Meine Fehler“ zu starten. Heute geht’s um den Hintergrund.

Bei einem Motocross-Lauf letzten Sommer hatte ich meine Kamera dabei, ich habe schon über meine Angst vor Staubschäden geschrieben. Natürlich habe ich verschiedene Standorte ausprobiert. Und da, wo gesprungen wird, habe ich mir besonders actionreiche Bilder versprochen.

Quad Jump 1Hier sieht man gerade einen Quad bei einem der Sprünge. Das Ganze sah recht eindrücklich aus vor Ort. Der Sprung ist zwar immer noch nett anzusehen, aber es dauert eine ganze Weile, bis das Auge überhaupt verstanden hat, dass es hier um den Quad-Fahrer und seinen Sprung geht, oder? Woran liegt das? Richtig, am Hintergrund.

Vor lauter Nervosität und der Angst, ja nichts zu verpassen, habe ich den folgenden Fragen überhaupt keine Beachtung geschenkt.

Was beinhaltet der Hintergrund meines Bildes? Unterstützt er das Bild in seiner Wirkung? Oder lenkt er eher ab?

In diesem Fall ist es klar: Der Hintergrund stört. Punkt. 

Es gibt einfach zu viele Objekte vom Baustellenkipper über das Haus bis zum Zelt und allem voran der grossen Trampolinanlage. Wären nur die Abschrankung, ein paar Zuschauer und dahinter der Wald zu sehen wär’s vermutlich halb so schlimm.

Nun kann man natürlich nicht wählen, was im Hintergrund steht. Ich kann denen ja als Fotograf in den seltensten Fällen vorschreiben, wo sie ihr Zelt oder eine Spielanlage aufstellen müssen. Trotzdem gibt es ein paar Möglichkeiten, mit störendem Hintergrund umzugehen.

Andere Perspektive
Die naheliegendste Möglichkeit besteht in einem Standortwechsel oder dem Fotografieren z.B. aus der Froschperspektive. Letzeres wäre hier vielleicht möglich gewesen und hätte dank dem trockenen Wetter kaum dreckige Kleider hervorgebracht. Ich hätte mir auch einen anderen Sprung aussuchen können – wobei die Problematik überall ähnlich war.

Offene Blende
Das Bild ist mit Blende f5 entstanden. Hätte ich mit f2.8 fotografiert, wäre der Hintergrund deutlich unschärfer und damit vermutlich weniger störend gewesen. Allerdings hätte ich dann als ungeübter Fotograf Mühe gehabt, den Fokus richtig zu erwischen.

Quad JumpMehr Brennweite
Auch eine grössere Brennweite verringert die Schärfentiefe (siehe Bild 2). In diesem Beispiel ist zwar immer noch zu viel störendes erkennbar, aber der Fahrer mit seinem Quad wirkt meiner Meinung nach schon deutlich besser als beim Bild 1. Blende war hier unverändert bei f5, die Brennweite aber bei 150 mm. Das hat auch den Vorteil, dass der Fahrer natürlich bildfüllender ist und schon deswegen weniger Platz für störenden Hintergrund bleibt.

Übrigens: Schon das Bild mit gleicher Brennweite und Perspektive, aber mehr Staub in der Luft wirkt für mich schon angenehmer, weil es indirekt die Aufgabe von Tiefenunschärfe übernimmt (siehe nachfolgendes Bild).

Quad Jump

Wir sind uns schon einige: Keines dieser Bilder ist wirklich toll. Letztlich habe ich bei allen den gleichen Fehler gemacht: Den Hintergrund nicht beachtet. Sie sind auch alle innert weniger Minuten entstanden.

Notiz an mich:
Nächstes Mal solche Szenen aus der Froschperspektive, möglichst nahe vom Boden, aufnehmen und die Blende weit auf.

 

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